¡¡

            Unions-Fraktionsvize sieht Koalition vor erster Belastungsprobe
¡¡

      

     Die von der SPD versprochene "Woche der Information und Aufklärung" im Fall el-Masri ist auch eine Woche der Wahrheit f¨¹r die Große Koalition: Nach Ansicht von Unions-Fraktionsvize Bosbach steht das B¨¹ndnis vor seiner ersten ernsten Belastungsprobe.

¡¡

      Berlin - "Die Sachaufklärung muss jetzt in dieser Woche erfolgen", sagte der CDU-Politiker der "Berliner Zeitung". "Es wäre ganz schlecht, wenn wir mit diesem Problem auch noch das neue Jahr beginnen w¨¹rden." Die Koalitionspartner m¨¹ssten sich sowohl in der Sachfrage als auch im Umgang miteinander bewähren.

      Vor allem Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) - fr¨¹her Kanzleramtschef - soll in dieser Woche Licht ins Dunkel der Affäre bringen. Die Bundesregierung bereitet einen umfassenden Bericht vor. Dieser soll Grundlage der Äußerungen von Steinmeier sowie des ehemaligen Innenministers Otto Schily (SPD) unter anderem im Parlamentarischen Kontrollgremium sein.

      Schilys Nachfolger Wolfgang Schäuble (CDU) sicherte eine Aufklärung der Bundesregierung im Fall el-Masri zu. "Alles, was an Aufklärung von unserer Seite beigetragen werden kann, wird auch geleistet. Ich kann nicht erkennen, was wir zusätzlich tun sollen", versicherte er. Allerdings d¨¹rfe nicht alles, was die Nachrichtendienste betreffe, in der Öffentlichkeit debattiert werden.

      Bosbach warf der Vorgängerregierung vor, die k¨¹nftige Bedeutung und das öffentliche Interesse im Fall el Masri unterschätzt zu haben. Eine parlamentarische Untersuchung - wie von Oppositionspolitiker gefordert - lehnt der Innenexperte aber weiterhin ab. Ein Untersuchungsausschuss könne nicht mehr zur Aufklärung beitragen als das geheim tagende Parlamentarischen Kontrollgremium und die zuständigen Fachaussch¨¹sse.

      Forderung nach Untersuchungsausschuss "alarmistisch"

      Ähnlich äußerte sich SPD-Generalsekretär Hubertus Heil. "Ich finde es alarmistisch, Untersuchungsaussch¨¹sse zu fordern, bevor man nicht ¨¹ber andere Wege versucht hat, den Dingen auf den Grund zu gehen", sagte er der "Berliner Zeitung". Der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Dieter Wiefelsp¨¹tz, hatte im "Handelsblatt" gefordert, vor weiteren Bewertungen "die Woche der Information und Aufklärung" abzuwarten. Bisher habe man in der Tat nur ein "sehr unvollständiges Bild".

      Nach Informationen der "Berliner Zeitung" wollen SPD und Union ihre f¨¹hrenden Parlamentarier am Montagabend in einer Sondersitzung auf die CIA-Debatten in den zuständigen Bundestagsaussch¨¹ssen vorbereiten. El-Masri war nach eigenen Angaben am Silvestertag 2003 von der CIA in Mazedonien gefangen genommen, nach Afghanistan verschleppt und erst f¨¹nf Monate später wieder frei gelassen worden.

      Der Vorsitzende des Rechtsausschusses, Andreas Schmidt (CDU), sagte der Zeitung, die USA m¨¹ssten El Masri entschädigen. "Die USA m¨¹ssen zu begangenen Fehlern stehen, und sie m¨¹ssen auch Unrecht, das sie gegen¨¹ber einem deutschen Staatsangehörigen begangen haben, entschädigen", sagte der CDU-Politiker. "Ihm ist Unrecht geschehen, und das muss gut gemacht werden." Der M¨¹nchner Rechtsanwalt Michael Witti sagte gegen¨¹ber der "Bild"-Zeitung, el-Masri könne von der CIA Schmerzensgeld von etwa f¨¹nf Millionen Dollar einklagen. Wittis Berliner Kollege Martin D¨¹rr sagte dem Blatt, er rechne sogar mit einer "zweistelligen Millionensumme".

 

    Quelle: Spiegelonline 12.12. 2005