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Von
Klaus-Peter Kerbusk
Mit
dem Einstieg ins Mobilfunkgeschäft hat der Discountriese Aldi einen neuen
Preiskrieg angezettelt. Die alten Tarifmodelle der Netzbetreiber geraten
ins Wanken.
Selten war ein Angebot
des Discountriesen Aldi mit so großer Spannung erwartet worden. Doch als
die Handelskette vergangene Woche ihren Einstieg ins umkämpfte
Mobilfunkgeschäft wagte, war vor allem eines gewaltig: die Enttäuschung.
In kaum
einer der rund 4000 Aldi-Filialen standen die Kunden Schlange, um das
"Starter-Set" f¨¹r den "Aldi Talk" zu ergattern. Zum Preis von 15 Cent pro
Minute können die Kunden mit der Handy-Karte rund um die Uhr in alle
deutschen Netze telefonieren.
"Ich hatte
mehr erwartet", meinte Philipp Geiger, Mobilfunkexperte der M¨¹nchner
Unternehmensberatung Solon. "Ein Kn¨¹ller ist das nicht", lästerte auch
Debitel-Manager Jörg K¨¹hnapfel.
Noch vor
wenigen Monaten wäre das Aldi-Angebot ein Schock f¨¹r die Branche gewesen.
Nicht selten telefonierten die Handy-Nutzer da noch zu Preisen von mehr
als 50 Cent pro Minute. Wie in einer verschworenen Gemeinschaft hielten
die vier Netzbetreiber und die großen Service-Provider an einem
Tarifgef¨¹ge fest, das große Preiskämpfe verhinderte. Denn im Dschungel von
rund 1800 Tarifvarianten verlieren selbst aufmerksame Pfennigfuchser den
Überblick.
Doch seit
dem Fr¨¹hjahr drängt eine neue Generation von Anbietern auf den Markt. Sie
nennen sich Simyo, Simply, Klarmobil, Easymobile oder einfach Blau und
verfolgen ein ähnliches Konzept wie die Billigfluglinien. "No frills",
kein Schnickschnack, heißt die Devise.
Anders als
die etablierten Anbieter, die den Kunden langfristige Verträge und teure
Tarife mit verbilligten Handys schmackhaft machen, setzen die Neulinge auf
niedrige Geb¨¹hren und transparente Konditionen. Langfristige Verträge gibt
es in der Regel nicht. Im Gegenzug m¨¹ssen sich die Kunden meist selbst um
ein neues Handy k¨¹mmern. Um die Kosten im Griff zu halten, werden die
Karten via Internet verhökert statt in kostspieligen Läden.
Obwohl noch
nicht mal jeder hundertste Handy-Telefonierer zu den Billigheimern
abwanderte, gerieten die Mobilfunkgeb¨¹hren in Deutschland dadurch bereits
ordentlich ins Trudeln. Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes
sanken sie im November im Vergleich zum Vorjahresmonat bereits um fast
acht Prozent. Bei einigen Anbietern purzelten die Minutenpreise bis auf 16
Cent.
Das Tor f¨¹r
die Preisoffensive haben die vier großen Netzbetreiber selbst geöffnet.
Ihre Funknetze sind nicht ausgelastet. Bis auf die Vodafone-Manager, die
bisher alle Offerten ablehnten, konnten sie nicht der Versuchung
widerstehen, einen Teil ihrer freien Kapazitäten an die neuen Discounter
zu verhökern. Entsprechend groß waren die Erwartungen an den Aldi-Vorstoß,
um den sich wilde Spekulationen rankten. Die Aldi-Einkäufer gelten als
besonders hartnäckige Verhandler. Bei seiner österreichischen Tochter
Hofer verkauft der Discount-Primus Telefonkarten, bei denen der
Handy-Plausch nur neun Cent pro Minute kostet.
Ein
ähnliches Niveau m¨¹sse auch in Deutschland möglich sein, das hatten die
Aldi-Unterhändler deutlich gemacht. Doch am Ende konnte kein Netzbetreiber
die Vorgaben erf¨¹llen. Um das Weihnachtsgeschäft nicht zu verpassen,
wurden sich die Handelsmanager schließlich mit E-Plus einig. Rund 750.000
Handy-Karten will Aldi in seinen deutschen Filialen verkaufen.
Um das
Angebot von der Konkurrenz abzuheben, griffen die Händler zu einem Trick.
Neben dem Normalpreis von 15 Cent f¨¹hrten sie noch eine Art Haustarif mit
5 Cent pro Minute ein. Der gilt allerdings nur f¨¹r jene Gespräche, die
Aldi-Kunden untereinander f¨¹hren. Siegessicher kreierten sie den holprigen
Slogan: "Wer g¨¹nstig spricht, spricht Aldi."
Doch die
Händler hatten offenbar die Flexibilität der Konkurrenz unterschätzt. "Wir
sind die g¨¹nstigsten", posaunte Simply-Vertriebschef Vlasios Choulidis -
und konterte: Mit einem Minutenpreis von 14 Cent unterbot er nicht nur
Aldis Normaltarif, sondern drehte die Geb¨¹hr f¨¹r Gespräche unter
Simply-Kunden auf null. Sofort zogen Easymobile und Klarmobil mit fast
identischen Konditionen nach und ließen das Aldi-Angebot ebenfalls
verblassen.
Das bizarre
Gefeilsche ist der Anfang eines Preiskriegs, der den deutschen Markt
dramatisch verändern d¨¹rfte. Auf Dauer werden die Großen ihr Tarifmodell
mit subventionierten Handys und teuren Geb¨¹hren nicht halten können. Denn
nach dem Vorstoß von Aldi verlagert sich der Kampf jetzt auch auf die
Straße.
Debitel
light verkauft seine Billigkarten bereits ¨¹ber die Baumarktkette Praktiker
sowie in den Elektronikmärkten von Media Markt und Saturn. Auch die
Discountkette Plus stieg vergangene Woche fr¨¹her als geplant in die Arena.
Nun warten alle gespannt auf den Start von Aldis Erzrivalen Lidl, der auch
seit Monaten mit Netzbetreibern verhandelt.
Wie nervös
die Großen geworden sind, zeigt die Reaktion des Branchenf¨¹hrers.
Unmittelbar nach dem Aldi-Start bescherte T-Mobile den rund 14 Millionen
Kunden seines Tarifs "Xtra Click&Go" eine drastische Preissenkung. F¨¹r
Gespräche innerhalb des T-Mobile-Netzes m¨¹ssen sie jetzt nur noch 5 Cent
pro Minute zahlen.
Vorher waren
daf¨¹r 15 Cent fällig.
Quelle:
Spiegelonline 12. Dezember 2005 |