US-Truppen r¨ıcken in die Randbezirke Falludschas vor
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Stadt soll f¨ır Wahlen im Irak von Rebellen befreit werden - Christliche
Kirchen angez¨ındet - Marines verlieren sechs Soldaten
Berlin -
Mindestens 1000 US-Soldaten und irakische Eliteeinheiten haben am
Wochenende den Druck auf die irakische Rebellenhochburg Falludscha verstärkt,
nachdem sie die Stadt am Donnerstag umstellt hatten. Die US-Luftwaffe
bombardierte Ziele in der Stadt, während Bodentruppen offenbar auf
die Stadtteile Askari und Sinai vorr¨ıckten. Einwohner berichteten von
anhaltendem Gewehrfeuer, Beschuß aus Panzerkanonen und Gegenfeuer
der Rebellen mit Mörsern, Panzerfäusten und automatischen Waffen.
Nachdem am Freitag und Samstag alle Wege aus der Stadt gesichert wurden,
sammelten sich US-Truppen an der Schnellstraße am östlichen
Rand der Stadt und schienen dort vorr¨ıcken zu wollen. Heftige Kämpfe
entbrannten, und Einwohner berichteten, mindestens ein US-Fahrzeug st¨ınde
in Flammen. Amerikanische
Angaben zum Ziel und Ausmaß der Offensive waren widerspr¨ıchlich. Am
Freitag hieß es noch, dies sei "nicht die Offensive gegen
Falludscha", aber am Wochenende sagte dann Oberleutnant Lyle Gilbert
von den Marines bei Falludscha, die Operation ziele darauf, die Stadt f¨ır
die Parlamentswahlen zu sichern. "Diese Operation wird es den
Menschen von Falludscha ermöglichen, frei und in Sicherheit ihren
Angelegenheiten nachzugehen, und dadurch wird die Vorbedingung f¨ır freie
Wahlen in Falludscha geschaffen werden", sagte Gilbert. Sollte wirklich ein
Entscheidungsschlag bevorstehen, so ist die Offensive zum Erfolg
verurteilt. Ein Scheitern oder eine Kompromißlösung wie im Mai,
die die Stadt in der Hand der Rebellen ließ, w¨ırde als
empfindlicher R¨ıckschlag bei der Vorbereitung der Parlamentswahlen
angesehen, die f¨ır Januar geplant sind. Über Verluste
bei den Kämpfen gab es zunächst keine Angaben, daf¨ır aber
interessante Informationen aus der Kleinstadt Hit, nicht weit von
Falludscha entfernt. Dort haben sich die Regierung und die örtlichen
Stammesältesten offenbar darauf geeinigt, daß die Bevölkerung
selbst daf¨ır sorgen soll, alle ausländischen Terroristen aus der
Stadt zu werfen. In die bislang von Guerillas beherrschte Stadt sollen
irakische Sicherheitskräfte einziehen, US-Truppen sollen "nur
jeden Freitag" patrouillieren d¨ırfen. Werden sie jedoch angegriffen,
so sollen sie die Stadt ganz kontrollieren d¨ırfen. Einwohner in
Falludscha berichteten telefonisch, arabische Freiwillige (Heilige
Krieger) aus Hit seien nach Falludscha gekommen, weil sie in Hit nicht
mehr bleiben könnten. Außerdem hätten
Vertreter des Widerstands angeboten, die von ihnen am Donnerstag
abgebrochenen Verhandlungen mit Bagdad wiederaufzunehmen. Ohne eventuelle
Verluste in Falludscha war das Wochenende schon verlustreich genug, sowohl
f¨ır die US-Truppen als auch f¨ır die irakischen Sicherheitskräfte.
Allein am Samstag starben sechs US-Soldaten. Zwei von ihnen verloren beim
Absturz zweier US-Hubschrauber in Bagdad ihr Leben. Die Absturzursache war
gestern noch ungeklärt. Vier weitere Soldaten kamen bei
Bombenattentaten ums Leben. Und mindestens zehn irakische Polizisten
wurden ermordet, neun von ihnen bei einem Hinterhalt in Latifija, 30
Kilometer s¨ıdlich von Bagdad. Sie kamen gerade aus Jordanien zur¨ıck, wo
sie einen Lehrgang absolviert hatten, als unbekannte Angreifer ihren
Minibus unter Beschuß nahmen. Keiner ¨ıberlebte, die Täter
konnten fliehen. Das Wochenende
markierte zugleich den Beginn des Fastenmonats Ramadan. Eine Eskalation
der Gewalt war daher erwartet worden, ihr Ausmaß und die Auswahl der
Terrorziele schockierte denn aber doch - fast gleichzeitig zerstörten
Sprengsätze f¨ınf christliche Kirchen in Bagdad. Die Folge d¨ırfte
ein weiterer Exodus irakischer Christen sein. Bereits nach ähnlichen
Attentaten im August hatten rund 40 000 der 700 000 Christen den
Irak verlassen. Artikel
erschienen am Mo, 18. Oktober 2004 |