Schon 5300 Märker jobben f¨¹r einen Euro

    Konditor restauriert Kanonenkugeln, Kaufmann stoppt B¨¹cherdiebe: Hauptsache, man hat Arbeit

    Potsdam -  Auf dem Sportplatz von Belzig wird endlich der Zaun gestrichen - von einem Maurer, f¨¹r 1,30 Euro pro Stunde. F¨¹r etwa das gleiche Geld legt ein Einzelhandelskaufmann in der Bibliothek von Kyritz B¨¹cherdieben das Handwerk und restauriert ein Konditor im Museum von J¨¹terbog alte Kanonenkugeln. In zahlreichen Orten Brandenburgs werden derzeit Arbeiten angepackt, die vorher liegengeblieben sind; sie sind in sogenannte Ein-Euro-Jobs umgewandelt worden. 5300 Brandenburger gehen ihnen bereits nach und verdienen sich etwas zum Arbeitslosengeld hinzu, berichtet die Bundesagentur f¨¹r Arbeit.

    Zum Beispiel Diana Hollmann. Seit zwei Jahren ist die fr¨¹here B¨¹rohilfe ohne Arbeit, doch seit ein paar Tagen f¨¹hrt sie vier Stunden am Tag die Geschäftsstelle der Fußballer von Eintracht Oranienburg. In dem Ein-Euro-Job k¨¹mmert sich die 29jährige um Post, Mitgliederlisten und Veranstaltungen. Sie ist zufrieden: "Ich arbeite wieder am Computer und frische meine Kenntnisse auf." Es stört sie nicht, kaum mehr als ein Trinkgeld zu verdienen. Sie sieht den Job als Sprungbrett: "Ich kann mich aus der Arbeit heraus um eine reguläre Stelle bewerben." Auf der anderen Seite: Ohne ihre Mitarbeit wäre das B¨¹ro tags¨¹ber geschlossen.

    "Arbeitsgelegenheiten mit Mehraufwandsentschädigung" heißen die Ein-Euro-Jobs offiziell. Das erklärt, warum es damit so wenig zu verdienen gibt: Die Entgelte - je nach Können zwischen 1 und 1,50 Euro - sind eben kein Lohn - so wie der Job keine reguläre Stelle ist.

    "Die Arbeiten sollen Br¨¹cken zum ersten Arbeitsmarkt sein", heißt es bei der Regionaldirektion der Bundesagentur f¨¹r Arbeit. Deshalb seien schon drei Monate vor Beginn der Hartz-IV-Reform Anfang Januar 7500 Stellen geschaffen worden.

    Andererseits formiert sich Widerstand von Handwerk und Gewerkschaften. "Wir haben Angst, daß die Beschäftigungsgesellschaften mit Dumping-Preisen reguläre Arbeitsplätze verdrängen", sagt der Präsident der Potsdamer Handwerkskammer, Wolfgang König. Wenn eine Schule durch Ein-Euro-Jobber angestrichen werde, falle diese Arbeit f¨¹r die Handwerksbetriebe weg. Gewerkschafter äußern sich ähnlich.

    Die Organisatoren widersprechen. "Die neuen Beschäftigten erledigen Arbeiten, die sich die Kommune ansonsten gar nicht leisten könnte", sagt etwa Reinhardt Scholtz, der in Zehdenick die Aktion koordiniert. Seine Leute reparieren Straßenschilder und bringen Spielplätze auf Vordermann.

    In Schwedt ist sogar ein neues Tätigkeitsfeld entstanden: Dort passen Ein-Euro-Jobber auf Schulhöfen auf, daß Sch¨¹ler nicht rauchen oder pr¨¹geln. In Märkisch-Oderland werden mit Hilfe der Zusatzjobs Ortschroniken und Stadtgeschichten geschrieben. "Die gemeinn¨¹tzigen Arbeiten d¨¹rfen den Markt nicht tangieren", sagt Bernd Baier von der Arbeitsagentur Frankfurt (Oder), bei der schon im September die ersten 100 Stellen vergeben waren. "Wir waren bundesweit eine der ersten Agenturen, bei der solche Stellen eingerichtet wurden."

    Bald werden das keine "Exoten-Jobs" mehr sein, der Bedarf ist groß: Wenn Hartz IV in Kraft tritt, erhalten hierzulande schätzungsweise 170 000 derzeitige Empfänger von Sozial- oder Arbeitslosenhilfe das Arbeitslosengeld II - und kommen damit auch f¨¹r Ein-Euro-Jobs in Frage.  dpa