Unternehmer rechnen mit der T¨ırkei
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F¨ır die Wirtschaftsvertreter in Deutschland wie in
der T¨ırkei gibt es eigentlich keinen Zweifel: Von einem EU-Beitritt des
Landes am Bosporus w¨ırden beide Seiten profitieren.
Auch, wenn die T¨ırkei auf manchen Gebieten noch Nachholbedarf hat - eines
steht fest: Die Marktwirtschaft hat längst Fuß gefasst zwischen
Istanbul und Diayrbakir. Die wirtschaftlichen Folgen eines möglichen
t¨ırkischen EU-Beitritts sind auf jeden Fall verkraftbar - was schon daran
liegt, dass die Wirtschaftsleistung des Landes momentan gerade zwei
Prozent der Europäischen Union ausmacht.
Vorteile f¨ır beide
T¨ırken wie Deutsche versprechen sich rosige wirtschaftliche
Aussichten: einen gegenseitigen gigantischen Absatzmarkt und riesige
Investitionsmöglichkeiten. Kemal Sahin, Präsident der T¨ırkisch-Deutschen
Industrie- und Handelskammer, ist optimistisch. "Wir erwarten, dass
die t¨ırkische Wirtschaft schnell wächst. Dadurch werden auch
Handelsbeziehungen beschleunigt." Die Handelsbeziehungen können
sich schon jetzt sehen lassen: Allein im ersten Halbjahr haben die
deutschen Exporte in die T¨ırkei um satte 50 Prozent zugelegt. Umgekehrt
fanden mehr t¨ırkische Produkte den Weg nach Deutschland - auch wenn hier
nur ein kleineres Plus von f¨ınf Prozent zu Buche steht.
Kein Wunder, dass der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Groß-
und Außenhandel, Anton Börner, einem t¨ırkischen EU-Beitritt
hauptsächlich Vorteile abgewinnen kann. "Hierdurch werden
erhebliche Investitionen bei der Infrastruktur ausgelöst, von denen
deutsche Firmen ¨ıberproportional profitieren werden. Die zu erwartenden
Mehrkosten f¨ır Deutschland in Höhe von geschätzten zwei
Milliarden Euro werden hierdurch bei weitem ¨ıberkompensiert", erklärt
Börner.
Es gibt einiges zu tun
Der Investitionsbedarf ist groß: Geschätzte 10.000
Autobahn-Kilometer fehlen ebenso wie 30.000 Kilometer Schienennetz und
vern¨ınftige Häfen. Millionen Wohnungen sind dringend sanierungsbed¨ırftig.
Fraglich ist allerdings, ob angesichts der hohen Staatsquote das private
Kapital wirklich so reichlich fließen wird.
Sahin bleibt gelassen und verweist auf eine Studie der niederländischen
ABN-Amro-Bank. Die sagt der T¨ırkei allein f¨ır die Phase der
Beitrittsverhandlungen f¨ınf bis sechs Milliarden US-Dollar an
Direktinvestitionen voraus. Dennoch gebe es noch einiges zu tun, betont Außenhandels-Präsident
Anton Börner . Ein Problem sei der starke t¨ırkische Agrarsektor mit
immerhin 14 Prozent der Wirtschaftsleistung und sogar 45 Prozent der
Erwerbstätigen. "Eine 1:1-Übertragung der heutigen
Agrarpolitik der EU ist daher zum Ende des Beitrittsprozesses nicht
denkbar."
Migrationsfrage
Offen und mit vielen Ängsten behaftet ist auch die Frage, wie viele t¨ırkische
Arbeitskräfte nach einem EU-Beitritt des Landes auswandern werden.
Schätzungen nennen Zahlen zwischen einer halben und vier Millionen
Menschen. Aber auch hier versucht Kemal Sahin, selbst t¨ırkischer
Unternehmer in Deutschland, die Bedenken zu zerstreuen: "Mit der
EU-Perspektive wird die T¨ırkei ein Riesenwachstum haben in den nächsten
zehn Jahren. Und in dieser Phase mit diesem hohen Wachstum werden in der T¨ırkei
viele, viele Arbeitsplätze entstehen." Sahin rechnet sogar
damit, dass viele seiner Landsleute, die heute in Deutschland eine Arbeit
haben, angesichts solch guter Perspektiven den Weg zur¨ıck in ihre Heimat
finden werden. |