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Deutsche Politik und die digitalen Herausforderungen |
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Deutschland setzt auf Wirtschaftswachstum durch Informationstechnik
Die Bundesregierung will mit neuen Initiativen in der Informationstechnik
für mehr Wachstum und Beschäftigung sorgen. Doch wo steht
Deutschland zurzeit und welche Initiativen sind Erfolg versprechend?
Das Jahr 2003 ist eine Wendemarke: Erstmals überwiegt in Deutschland die
Zahl der Onliner diejenige der Offliner. Etwas mehr als die Hälfte
aller Bundesbürger verfügt über einen Zugang zum Internet.
Doch was besagt das schon, wenn man genauer hinschaut: Nicht einmal die Hälfte
der klein- und mittelständischen Unternehmen in Deutschland nutzt das
Internet, und nicht einmal jedes Zehnte setzt das Internet auch da ein, wo
es echte ökonomische Vorteile bringt: in der gesamten Wertschöpfungskette
vom Einkauf bis zum Vertrieb.
Dank der Initiative "Schulen ans Netz" ist es gelungen, allen
Schulen einen Internetzugang einzurichten - doch was besagt das schon,
wenn man bedenkt, dass fast zwei Drittel aller deutschen Lehrer noch nie
einen Computerkurs besucht haben und gerade mal 29 Prozent der deutschen
Lehrer den PC auch tatsächlich im Unterricht einsetzen? Föderaler Flickenteppich
Bis zum Jahr 2005 will der Bund vollständig online sein. Nicht die Bürger
sollen laufen, sondern die Daten, hat der Kanzler versprochen. Doch was
besagt das schon, wenn man weiß, dass Deutschland föderal
aufgebaut ist und Bundesländer, Städte und Gemeinden eine IT-Landschaft
aufgebaut haben, die einem Flickenteppich gleicht: Keiner versteht den
Nachbarn, jedes mal wird das Rad neu erfunden.
Diese drei Beispiele zeigen: Zwischen Anspruch und Wirklichkeit klaffen
noch einige Lücken. Die Bundesregierung will deshalb noch im Dezember ein
"Aktionsprogramm Informationsgesellschaft Deutschland 2006" auf
den Weg bringen, um die Informations- und Kommunikationstechnologie noch
schneller zu verbreiten.
Initiative D 21
Eine wichtige Rolle in diesem Aktionsprogramm soll die so genannte
Initiative D 21 spielen. Das ist ein gemeinnütziger, branchen- und
parteienübergreifender Verein von 300 Unternehmen und öffentlichen
Institutionen, der das Ziel hat, Deutschlands Wandel zur
Informationsgesellschaft zu beschleunigen und die Chancen zu nutzen, die
der Einsatz von Informationstechnologie für Wachstum und Beschäftigung
bietet.
Der frühere Deutschland-Chef des amerikanischen Computerkonzerns IBM,
Erwin Staudt, ist Vorsitzender der Initiative D 21 und zeigt sich
optimistisch: "Ich glaube, dass wir offensichtlich den Wachstumspfad
wieder aufnehmen können im nächsten Jahr, was ganz wichtig ist für
diese ITK-Industrie. Und ein positives Wachstum von zwei Prozent im nächsten
Jahr würde auch bedeuten, dass wir netto neue Jobs generieren werden oder
dass wir die Chance haben, neue Jobs zu generieren, was natürlich für
die aus den Universitäten und Fachhochschulen heraus strömenden
Generationen enorme Bedeutung hat."
Erfolgsbranche
Im Dezember will die Bundesanstalt für Arbeit im Internet den "Virtuellen
Arbeitsmarkt" starten, den sie vollmundig als "Europas größte
Job- und Ausbildungsstellenbörse" bezeichnet. Untersuchungen
haben ergeben, dass 80 Prozent der Onliner das Internet schon einmal zur
Jobsuche genutzt haben und fast 20 Prozent von ihnen dabei erfolgreich
waren.
Staudt ist überzeugt, dass sich diese Zahlen steigern lassen: "Wir
haben festgestellt, dass eine Verwirklichung dieser Ideen nicht ohne die
Einbeziehung des Mittelstandes geht. Das ganz Wesentliche ist, dass wir
nicht nur auf die 30 DAX-Unternehmen starren dürfen, auf die Großunternehmen,
sondern auf die 99,7 Prozent aller Unternehmen, die das Gros aller
Arbeitsplätze verantworten, nämlich 35 Millionen Arbeitsplätze,
die in diesem Bereich angeboten werden." |