Guter Start beim G8-Treffen

   Rechtzeitig zu Beginn des Gipfeltreffens der acht Industrienationen kam die gute Nachricht: Der UN-Sicherheitsrat hat die neue Irak-Resolution verabschiedet. Der andere Erfolg: Schröder und Bush signalisierten Einigkeit.

   Noch vor dem ersten offiziellen gemeinsamen Abendessen der acht Gipfelteilnehmer auf der Luxusferieninsel Sea Island im US-Bundesstaat Georgia sind Gastgeber George W. Bush und Bundeskanzler Gerhard Schröder am Dienstag (9.6.2004) zu einem bilateralen Gespräch zusammen gekommen, das sehr entspannt und harmonisch verlief: Bush dankte dem Kanzler f¨¹r das deutsche Engagement in Afghanistan und die deutsche Unterst¨¹tzung f¨¹r das Zustandekommen der Irak-Resolution, die in New York einstimmig angenommen worden ist.

 

    Schröder wiederum dankte seinem Gastgeber, dass das deutsche Engagement anerkannt und gew¨¹rdigt wird. Beide sprachen von einem neuen Geist der Freundschaft und Kooperation. Der Kanzler hob hervor, man sei zu der Auffassung gelangt, dass man "eine militärische Auseinandersetzung alleine gewinnen, aber Frieden und friedliche Entwicklung nicht allein schaffen" könne. Aber man sei bereit, sich am Wiederaufbau zu beteiligen. Die deutsche Rolle in Afghanistan sei von Präsident George W. Bush sehr gew¨¹rdigt worden.

 

    Erhoffte Signalwirkung

 

     Dennoch wird das Thema Irak und der Dialog mit der arabischen Welt auch am Mittwoch auf der Tagesordnung bleiben. Denn von diesem Gipfel soll das Signal ausgehen, dass die westlichen Länder ausdr¨¹cklich den Dialog mit der arabischen Welt suchen. Dazu werden die F¨¹hrer von Bahrain, Jordanien, Afghanistan, Algerien, des Jemen und der T¨¹rkei zu den Beratungen hinzugezogen. Und auch der Präsident der k¨¹nftigen irakischen Übergangsregierung, Ghasi el Jawer wird zum G8-Treffen erwartet.

 

Unter anderem geht es auch um die Entschuldung des Irak, der zwar ¨¹ber riesige Erdölreserven verf¨¹gt, in Zukunft aber gigantische Investitionen in die Infrastruktur bezahlen muss. Schröder k¨¹ndigte an, sich einem substanziellen Schuldenerlass nicht zu veschliessen. "Wir erwarten daf¨¹r nat¨¹rlich auch Entgegenkommen, das ist von der Übergangsregierung so auch zugestanden worden f¨¹r die deutsche Wirtschaft", sagte Schröder, der damit offensichtlich auf mehr Aufträge f¨¹r deutsche Unternehmen beim Wiederaufbau des Irak anspielte.

 

     Thema Ölmarkt

 

    Obwohl der Gipfel dem Namen nach ein Weltwirtschaftsgipfel ist, wird die Wirtschaft auf Sea Island weit weniger eine Rolle spielen, weil sie am wenigsten Probleme bereitet. Zur Zeit herrscht eitel Sonnenschein, die Weltwirtschaft, so lauten die offiziellen Schätzungen, wird in diesem Jahr vermutlich um 4,5 Prozent wachsen; Wachstumsindikatoren jedenfalls zeigen den stärksten Anstieg seit 15 Jahren.

 

     Allenfalls der gegenwärtig exorbitant hohe Ölpreis ist auf dem Gipfel ein Thema. Denn er kann auf lange Sicht die Inflation anheizen und das Wachstum bremsen. Der Kanzler setzt sich in diesem Zusammenhang ausdr¨¹cklich f¨¹r mehr Transparenz auf den Ölmärkten ein. Ein großer Teil der Preisgestaltung habe wenig mit den Preisen f¨¹r die Förderländern zu tun, sondern sehr viel mit Spekulationen auf diesem Markt. "Da muss mehr Offenheit rein, damit man sehen kann, wer an welcher Preisschraube dreht", forderte Gerhard Schröder.

Henrik Böhme, z. Zt. in Savanna

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