Anti-Europa-Partei
auf dem Sprung ins EU-Parlament
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Briten
sehen Europa traditionell skeptischer als andere EU-B¨¹rger. Bei der
Europa-Wahl könnten britische Anti-Europäer erstmals den Sprung
ins EU-Parlament schaffen. Dann wollen sie f¨¹r dessen Abschaffung
eintreten.
Eine Meinungsumfrage sah die "Unabhängigkeitspartei"
bereits bei 18 Prozent-Punkten, als drittstärkste Kraft in Großbritannien.
Unterst¨¹tzt von konservativen Boulevard-Zeitungen und mit geschickter
Öffentlichkeitsarbeit sorgen die bisherigen Außenseiter jede
Woche f¨¹r Schlagzeilen und gewaltiges Medien-Interesse. Kein Wunder, denn
dieses Metier beherrscht Robert Kilroy-Silk. Der hochgewachsene,
silberhaarige, stets in feines Tuch gekleidete Spitzenkandidat war bis vor
ein paar Monaten noch Gastgeber einer Fernseh-Talk-Show, bis er wegen
angeblich rassistischer Bemerkungen gehen musste.
Gegen Chirac und Schröder Mit der vermeintlichen Bevormundung durch "die da" in Br¨¹ssel
will Kilroy-Silk endlich Schluss machen: "Ich will nicht von Schröder
und Chirac regiert werden", sagt er. "Wir haben doch in unserer
Geschichte nicht all die Institutionen geschaffen, um jetzt die Souveränität
an Frankreich und Deutschland abzutreten. Mein Vater ist gewiss nicht im
Krieg gefallen, damit wir jetzt von Schröder und Chirac regiert
werden." Die alternde Diva und Schauspielerin Joan Collins, weltbekannt als Biest aus
der Fernsehserie Dynasty oder Denver-Clan, kämpft an der Seite der
Unabhängigkeitspartei. "Sie wollen mein England töten",
giftete sie in einem Zeitungskommentar ¨¹ber die Eurokraten in Br¨¹ssel.
"Gezänk und veruntreute Gelder" Da stimmt Dennis Jackson zu. Er verkauft Fish und Chips in seinem kleinen
Laden in London. Der treue Anhänger der Europa-Gegner meint, die EU
habe daf¨¹r gesorgt, dass britische Fischer keinen Fisch mehr in der
Nordsee fangen d¨¹rften: "Wir sind Überlebensk¨¹nstler. Wir
brauchen keinen gemeinsamen Markt. Das gibt nur Gezänk und
veruntreute Gelder." Nein zur Verfassung. Nein zum Euro. Nein zur Mitgliedschaft. Das ist das
kurze Programm der "Unabhängigkeitspartei". Nicht alle
Passanten am lila-gelben Wahlkampfstand mit dem mannshohen Pfund-Sterling
Zeichen in Gold teilen diese Parolen: "Die leben doch in der
Vergangenheit", sagt dort einer und ein anderer f¨¹gt hinzu:
"Aus der Europäischen Union austreten, das w¨¹rde unserem Land
gar nichts bringen."
Sammelbecken In den Wahlkampf-Brosch¨¹ren der "Unabhängigen" steht das
Wort Europa-Parlament stets in Anf¨¹hrungszeichen, weil Robert Kilroy-Silk
das Parlament f¨¹r ¨¹berfl¨¹ssig hält. Trotzdem drängt es ihn
nach Straßburg und Br¨¹ssel, weil er die Institutionen von innen her
sprengen will. Er will zur¨¹ck zu einer losen Freihandelszone mit dem
glorreichen Britannien an der Spitze: "Wir wissen, dass viele
Parlamentarier der neuen Mitgliedsstaaten nicht f¨¹r einen Superstaat,
sondern f¨¹r eine Freihandelszone sind. Sie sympathisieren mit Amerika und
wir stimmen mit ihnen ¨¹berein. Wir werden im Europäischen Parlament
eine große Fraktion der Euro-Skeptiker bilden. Es wird sich vieles
verändern." Die Unabhängigkeitspartei ist nach Meinung britischer Experten
Sammelbecken f¨¹r Nationalisten, Rassisten und Gegner von Asylverfahren.
Dennoch hat die regierende Labourparty den Stimmungs-Trend aufgegriffen.
Bei den EU-Verfassungsverhandlungen redet Außenminister Jack Straw
ständig von roten Linien, die die Unabhängigkeit Großbritanniens
wahren sollen. Straw versprach, Britannien nicht auf dem Altar Europa
opfern zu wollen. Bernd Riegert, Br¨¹ssel http://www.dw-world.de |