Arbeiterwohlfahrt
fordert rasche Reform der Pflegeversicherung
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Berlin - Die mit Verlust arbeitende Pflegeversicherung muss
nach Ansicht der Arbeiterwohlfahrt (Awo) dringend reformiert werden: Da
die Zahl pflegebed¨¹rftiger Menschen bis 2020 von zwei auf etwa 2,7
Millionen steigen werde, f¨¹hre zudem kein Weg an erhöhten
Pflegebeiträgen vorbei. Die Awo gehe kurz- bis mittelfristig davon
aus, dass der Anteil von aktuell 1,7 Prozent auf "2,3 oder 2,5
Prozent" steige werde. Die Politik reagiere bisher nur unzureichend
auf den dramatischen Anstieg der Pflegebed¨¹rftigkeit in Deutschland.
"Wir vermissen Lösungsansätze, die den Anforderungen an k¨¹nftige
Strukturen der ambulanten und der stationären Pflege gerecht w¨¹rden",
sagte der Awo-Bundesvorsitzende Manfred Ragati in Berlin.
Er legte einen Katalog von Reformvorschlägen vor, mit deren Hilfe ein
Finanzsockel geschaffen werden könne. Auf dieser Basis wäre dann
ein Systemwechsel zur B¨¹rgerversicherung möglich. So fordert die Awo
eine erhöhte Beitragsbemessungsgrenze auf Niveau der
Rentenversicherung, das Einbeziehen anderer Eink¨¹nfte bei der
Beitragsbemessung (Zinsen, Pachten, Mieten etc.), erhöhte Beiträge
als Baustein des Finanzierungsmixes sowie den Umbau der Pflegeversicherung
in eine Art B¨¹rgerversicherung. Eine umfassende Reform der
Pflegeversicherung m¨¹sse innerhalb der nächsten Jahre vollzogen
werden.
Bis zum Jahr 2040 erwartet die Awo einen Pflegebeitragssatz von 3,5 bis
4,0 Prozent - bei bis zu 3,5 Millionen Pflegebed¨¹rftigen. Durch die B¨¹rgerversicherung,
in die alle einzahlen m¨¹ssten und bei der auch Kapitalerträge und
Mieteinnahmen erfasst w¨¹rden, kann der Beitragssatzanstieg nach
Awo-Einschätzung um etwa 0,3 Prozentpunkte gedämpft werden. Zur
Kostenersparnis schlägt die Awo den Abbau von B¨¹rokratie in der
Pflege, verbesserte Präventionsmaßnahmen sowie mehr kosteng¨¹nstige
ambulante Pflege vor. Etwa zehn Prozent der Pflegekosten flössen
derzeit in die Verwaltung. Das gehe zu Lasten der Pflegebed¨¹rftigen. Die
Awo hält nichts von den Plänen der R¨¹rup-Kommission, die
Leistungen der stationären Pflege zu Gunsten der häuslichen
Pflege zu stärken.
Familienministerin Renate Schmidt hatte angek¨¹ndigt, die
Pflegeversicherung kommendes Jahr grundlegend zu reformieren. Noch 2004
wolle sie die Vorgabe des Verfassungsgerichts umsetzen, Eltern bei den
Beiträgen zur Pflege besser zu stellen als Kinderlose. Wie dies
geschehen soll, werde derzeit im Sozialministerium durchgerechnet. Ring |