China plant neue Strecken für den Transrapid |
Transrapid-Beauftragter
"Commander Wu" will Züge und Trassen am liebsten ohne
Thyssen-Krupp und Siemens bauen
Peking - Der Bau einer neuen Transrapidstrecke in China wird
immer wahrscheinlicher. Industriekreise bestätigten gegenüber der
WELT, dass die Vergabe eines Bauauftrages für eine Transrapidtrasse
zwischen Shanghai und der 180 Kilometer entfernten Stadt Hangzhou
bevorsteht. Die China Business Post (Caijing Shibao) meldete, dass die
Magnetbahn bereits in die vorläufige Planung der beiden Städte
aufgenommen worden sei. Beide Städte wollen die Betonbahn vor dem
Beginn der Shanghaier Weltausstellung 2010 bauen. Zu Expo erwartet
Shanghai 70 Millionen Besucher, die meisten aus dem chinesischen Inland.
Ausschlaggebend für den Planungsbeginn seien neue günstige Kalkulationen
für den Bau der Strecke nach Hangzhou. Danach könnte diese mit 40
Prozent niedrigeren Kosten erstellt werden, als die 31 Kilometer lange
Transrapid-Anbindung an den Flughafen Shanghai. Die renommierte
Wochenzeitung beruft sich auf Berechnungen der Shanghaier
Maglev-Betreibergesellschaft, die auch die Patente für den Bau der
Magnetschienen besitzt. Diese offeriert einen Kilometerpreis für das
gesamte System von 202 Mio. Yuan (umgerechnet rund 20 Mio. Euro).
Grund für die Verbilligung sind aber nicht nur Spareffekte durch den Bau
einer längeren Strecke. Chinas Betreiber sind sicher, genug gelernt
zu haben, um große Teile der bisherigen deutschen Technik- und
Ingenieurleistungen selbst und damit günstiger erbringen zu können.
Sie bestehen zudem auf einem höheren Anteil lokaler Fertigung der
bisher von Thyssen-Krupp und Siemens gelieferten Systeme.
Für die deutschen Firmen hat sich der Bau in China bislang nicht
ausgezahlt. Shanghais Betreibergesellschaft hat nach der offiziellen
Abnahme der Flughafen-Magnetbahn Ende April erstmals eine Abrechnung der
Kosten vorgelegt, berichtete die China Business Post. Für alle Parteien
wurde es teurer, als sie erwartet hatten.
Die chinesischen Gesamtinvestitionen für den Shanghai Transrapid
summierten sich bis Ende April auf 9 943 Mrd. Yuan (994 Mio. Euro). Ein
Kilometer Transrapid-Trasse kostete angeblich 330 Mio. Yuan (33 Mio. Euro).
Thyssen-Krupp verlor vor allem Geld auf Grund teurer Nachrüstungen.
Designprobleme bei den Kabeln machten eine teure und komplizierte
Nachbesserung der Motorwicklungen nötig. Fachleute schätzen den
Verlust des Unternehmens einschließlich der noch zu leistenden
Garantielieferungen und Ersatzteile, auf mehr als 50 Mio. Euro. Siemens, für
die Leittechnik zuständig, sei mit einem blauen Auge davon gekommen,
hieß es in Industriekreisen.
China hat zur weiteren Nutzung der Transrapidtechnik ein Nationales
Forschungs- und Entwicklungszentrum für Magnetbahntechnologie und
Engineering (NMTDC) gegründet. Daran beteiligt ist auch das
Wissenschaftsministerium (Most). Der 67jährige bisherige Bauleiter
und "Commander" des Shanghaier Transrapidsprojekts, Wu Xiangming
ist Leiter des neuen Zentrums. Es soll als eine Art technische
Aufsichtsbehörde nicht nur Normen und Sicherheitsstandards für
weitere Magnetbahnbauten überprüfen und festsetzen, aber auch
Unternehmensbefugnisse erhalten, um die Lokalisierung voranzutreiben.
Damit kann das Zentrum Partner bei Joint Ventures für neue Strecken in
ganz China werden.
Die Magnetbahn bleibt damit für den Ausbau des chinesischen
Hochgeschwindigkeitsverkehrs weiter im Rennen. Nachdem der Transrapid in
Shanghai seit Anfang 2003 mehr als 770 000 Fahrtkilometer hinter sich
gebracht und 790 000 Fahrgäste befördert hat und offiziell
abgenommen wurde, gilt für Pekinger Planer die Technologie als
hinreichend erprobt. Nun soll die Magnetbahn als potenzieller Verkehrsträger
für Neubauten im Bahnverkehr im 11. Fünfjahresplan (2005 bis 2009)
aufgenommen werden.
Artikel erschienen am 2. Juni 2004 来自世界报 http://www.welt.de/ |