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Heftige Kritik am
Haushaltsentwurf des Finanzministers: Wirtschaftsforscher werfen Hans
Eichel vor, Privatisierungserlöse zu hoch und Steuerausfälle zu
niedrig angesetzt zu haben. In den Budgetplanungen fürs nächste Jahr
steckten Milliardenrisiken, die geplante Neuverschuldung sei viel zu
niedrig.
Hamburg - Die Breitseite kommt unmittelbar vor den heute beginnenden
Etatberatungen des Bundestages. Das Deutsche Institut für
Wirtschaftsforschung (DIW) warnt vor Milliardenrisiken im Etatentwurf von
Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD). "Insgesamt rechne ich mit
einer Neuverschuldung von mindestens 26 statt der geplanten 22 Milliarden
Euro", sagte der Finanzexperte des DIW, Dieter Vesper, der "Bild"-Zeitung.
Angesichts der zahlreichen Einnahmerisiken könne sich die nötige
Neuverschuldung aber auch auf 30 bis 35 Milliarden Euro summieren.
Als Beispiele für die Haushaltsrisiken nannte Vesper die von
Eichel für kommendes Jahr veranschlagten Privatisierungserlöse in Höhe
von 15,4 Milliarden Euro. "In den vergangenen Jahren wurden im
Durchschnitt nur fünf bis sechs Milliarden Euro eingenommen", sagte
Vesper.
Auch bei den Steuern rechnet Vesper für 2005 mit weiteren
Ausfällen in Höhe von zwei Milliarden Euro allein für den Bund.
Grund seien unter anderem zu optimistische Annahmen der Bundesregierung über
die Lohnentwicklung. Außerdem sei völlig offen, ob das
Erfassungssystem für die Lkw-Maut, das ab Januar 2005 in Betrieb gehen
soll, einwandfrei funktioniere und damit die im Haushalt verplanten 1,5
Milliarden Euro Mautgebühren tatsächlich eingenommen werden könnten,
erläuterte Vesper.
Der Aufschwung soll es richten
Eichel äußerte unmittelbar vor Beginn der
Haushaltsberatungen im Bundestag am heutigen Dienstag die Hoffnung, dass
sich die Etatlage durch eine anspringende Binnenkonjunktur bald bessert.
"Die Lage ist außerordentlich schwierig", räumte
Eichel in der ARD ein. Es gebe allerdings die Hoffnung, dass Deutschland
derzeit eine konjunkturelle Wende zum besseren erlebe. Wenn nun auch die
Binnenkonjunktur anziehe, stünden die Chancen für bessere
Steuereinnahmen und weniger Ausgaben zur Finanzierung der hohen
Arbeitslosigkeit gut. "Was an Unsicherheit bleibt, ist die
Konjunkturentwicklung", sagte Eichel. "Es sieht so aus, als wenn
es besser wird".
Eichel bekräftigte, dass die Bundesregierung weiter mit
einem Wirtschaftswachstum zwischen 1,5 und zwei Prozent in diesem Jahr
rechnet. Den Vorwurf der Opposition, in seinem Haushalt 2005 seien "Luftbuchungen"
enthalten, wies er zurück.
Union fordert neuen Entwurf
Der CDU-Haushaltsexperte Dietrich Austermann hatte Eichel
zuvor aufgefordert, seinen Haushaltsentwurf 2005 zurückzuziehen. Er begründete
seine Forderung im Inforadio Berlin-Brandenburg mit vielfältigen
Risiken, die nicht berücksichtigt worden seien und die den Etat in die
Verfassungswidrigkeit treiben dürften. So verursache allein die Hartz-IV-Reform
Zusatzbelastungen von rund fünf Milliarden Euro.
Der Bund könne wegen des langsamen wirtschaftlichen
Aufschwungs auch nicht mit höheren Steuereinnahmen rechnen.
Austermann bekundete im Grundsatz die Gesprächsbereitschaft der
Union, an der Kürzung von weiteren Steuervergünstigungen mitzuarbeiten,
und verwies auf die Steinkohlehilfen. "Wir wollen einen
kontinuierlichen Abbau der Subventionen, da kann man mit uns reden."
Eichels Haushaltsentwurf für 2005 sieht Ausgaben von rund
258 Milliarden Euro vor bei einer Neuverschuldung von 22 Milliarden Euro.
Damit liegen die neuen Schulden entsprechend den Vorgaben der Verfassung
unter den Investitionen, die auf 22,8 Milliarden Euro veranschlagt sind.
Der Finanzminister hat außerdem Privatisierungserlöse von über
15 Milliarden Euro eingeplant und strebt an, 2005 zum ersten Mal nach drei
Jahren wieder mit dem Etatdefizit unter der europäischen Obergrenze
von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu bleiben.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,316944,00.html
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