TUI bläst Börsengang von Hapag-Lloyd ab

 

    Der Touristikkonzern TUI wird den ursprünglich für diesen Herbst geplanten Börsengang seiner Schifffahrtstochter Hapag-Lloyd absagen. Der Schuldenabbau beim Mutterkonzern sei dadurch aber nicht gefährdet.

    Hannover - In einer am Dienstag vor Börseneröffnung verbreiteten Mitteilung gab TUI bekannt, dass Hapag-Lloyd eine hundertprozentigen Konzerntochter bleiben werden. Einen Börsengang (IPO) werde es vorerst nicht geben. "Im Laufe der Vorbereitungen auf einen möglichen Börsengang hat sich die Lage auf den Kapitalmärkten verändert, sodass ein fairer Wert für das Unternehmen derzeit nicht zu realisieren ist", so das Unternehmen.

    Der vollständige Verkauf der Hapag-Lloyd AG an einen Investor sei ebenfalls nicht vorgesehen. Die erforderliche Finanzierung des Konzerns sei langfristig strukturiert und die geplante weitere Entschuldung könne auch ohne einen Börsengang der Hapag-Lloyd AG erreicht werden.

    TUI hatte im Frühjahr angekündigt, zwischen einem Drittel und 49 Prozent der Anteile von Hapag-Lloyd an die Börse zu bringen. Allerdings war TUI-Chef Michael Frenzel in den vergangenen Wochen bereits zurückgerudert und hatte erklärt, es müsse ein angemessener Preis zu erzielen sein. Analysten gingen davon aus, dass angesichts eines schwachen Börsenumfeldes TUI Chart zeigenderzeit Hapag-Lloyd-Aktien unter Wert verkaufen müsste.

    Die Entscheidung fiel nach Angaben aus von Reuters zitierten Unternehmenskreisen endgültig am vergangenen Wochenende. Es sei davon auszugehen, dass der TUI-Vorstand am Montag Teile seines Aufsichtsrates unterrichtet habe. In Bankenkreisen war bereits in den vergangenen zwei Wochen spekuliert worden, TUI-intern sei das Vorhaben, für das die Banken Goldman Sachs und Citigroup Chart zeigenals Konsortialführer ausgewählt worden waren, schon zu den Akten gelegt.

    Frenzel hatte Ende Juli betont, der geplante Abbau der TUI-Schulden von derzeit gut drei Milliarden Euro auf unter zwei Milliarden bis Ende nächsten Jahres sei auch ohne die Einnahmen aus einem Börsengang von Hapag-Lloyd zu schaffen. Insofern stehe der Konzern mit dieser Frage nicht unter Druck. Hapag-Lloyd gilt als ertragsstarkes Unternehmen. Voriges Jahr steigerte die Schifffahrtssparte ihr operatives Ergebnis um 70 Prozent auf den Rekordwert von 343 Millionen Euro.

    Parallel zur Veröffentlichung der Börsenpläne hatte sich die Bielefelder Oetker-Gruppe, die die Reederei Hamburg-Süd betreibt, als Käufer von Hapag-Lloyd ins Spiel gebracht. Allerdings kam es nach bisherigen Angaben nicht zu einem Angebot. TUI-Chef Frenzel hatte erklärt, für einen Gesamtverkauf müsse schon ein sehr lukrativer Preis gezahlt werden. Hapag-Lloyd hat nach Branchenschätzungen einen Gesamtwert von mindestens 2,5 Milliarden Euro.