STEIGENDE ENERGIEKOSTEN:  Politiker fordern staatliche Preisaufsicht

    Die Kritik an der Preispolitik der deutschen Energiekonzerne wird schärfer. Nach der Ank¨¹ndigung, die Preise f¨¹r Strom und Gas deutlich anzuheben, machen sich Politiker aller Parteien f¨¹r staatliche Preiskontrolle stark.

    Berlin - Gr¨¹nen-Parteichef Reinhard B¨¹tikofer nannte die Preispolitik der deutschen Energie-Konzerne unredlich. Es sei offensichtlich, dass Netzmonopolisten vor der geplanten Gesetzesregelung "noch mal abkassieren möchten", sagte B¨¹tikofer am Montag nach der Parteiratssitzung in Berlin.

    Ab 1. Januar soll die Regulierungsbehörde f¨¹r Telekommunikation und Post, dann erweitert um Elektrizität und Gas, f¨¹r mehr Wettbewerb auf dem Energiemarkt sorgen. Sie soll die Durchleitungsgeb¨¹hren pr¨¹fen, die die Platzhirsche wie RWE, E.ON, EnBW oder Vattenfall von kleineren Anbietern verlangen. Allerdings greift die Behörde, anders als im Kommunikationssektor, erst ein, wenn sich Stromunternehmen ¨¹ber die Geb¨¹hren beklagen.

    Eine Regelung, die vielen missfällt. Der Generalsekretär der CSU, Markus Söder, erklärte in der "Bild"-Zeitung: "Die derzeitigen Kontrollmöglichkeiten reichen nicht aus. Eine staatliche Preisaufsicht sollte deshalb kein Tabu sein." Die Gr¨¹nen-Energieexpertin Michaele Hustedt forderte, die Konzerne sollten verpflichtet werden, "jede Preiserhöhung bei der Regulierungsbehörde zu begr¨¹nden und genehmigen zu lassen."

    Auch die SPD-Spitze hat sich mittlerweile kritisch geäußert. Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD), dem sonst viel Verständnis f¨¹r die Belange der Energiewirtschaft nachgesagt wird, bezeichnete die bereits mit festen Terminen angek¨¹ndigten Erhöhungen als "nicht angebracht". SPD-Chef Franz M¨¹ntefering appellierte an die Energiekonzerne, jetzt "nicht zuzuschlagen, um die Bilanzen zu verbessern".

    Die FDP verlangte einen Energiegipfel, auf dem Sofortmaßnahmen zur Senkung der Energiekosten beschlossen werden sollen. Der stellvertretende Bundestagfraktionschef Rainer Br¨¹derle sagte der "Berliner Zeitung", die Höhe der Energiepreise sei derzeit das größte Konjunkturrisiko. Bundeskanzler Gerhard Schröder solle deshalb möglichst schnell einen Energiegipfel mit Verbraucherverbänden und der Wirtschaft einberufen. Als Sofortmaßnahme schlug der FDP-Politiker unter anderem die Halbierung der nationalen Ölreserve vor. Zudem forderte Br¨¹derle die Heizölsteuern auf das Niveau der Gassteuer zu senken.

    Anbieterwechsel lohnt sich kaum noch

    Nach einem Bericht der "Welt" lohnt sich der Wechsel des Stromanbieters f¨¹r Privatkunden immer weniger. Das Blatt f¨¹hrt mehrere Beispiele auf: Danach konnte noch im Februar 2004 eine Familie in Hamburg durch den Wechsel vom Lokaltarif HEW Classic zu einen anderen Anbieter bis zu 65 Euro im Jahr sparen - heute seien es nur noch 43,65 Euro. "Von Wettbewerb spricht kaum noch jemand", sagte der Energiereferent im Bundesverband Verbraucherzentralen, Thorsten Kasper, der Zeitung. Die großen Anbieter E.ON, Vattenfall Europe, RWE und EnBW teilten sich 90 Prozent des Marktes.

    Der Vorsitzende des Energie-Ausschusses der Bundesvereinigung der Deutschen Industrie (BDI), Werner Marnette, sagte dem "Hamburger Abendblatt", an der Strombörse handelten fast nur die großen Vier. "Sie bilden dort ihre Preise. Außerdem werden nur rund zehn Prozent des deutschen Strombedarfs an dieser Börse gehandelt", erläuterte der Chef der Norddeutschen Affinerie Chart zeigen, Europas größter Kupferh¨¹tte. Notwendig sei ein Regulierer, der jede Preisanhebung genehmigen m¨¹sse. "Der sollte eigentlich schon zum 1. Juli installiert sein, doch das hat die Bundesregierung nicht geschafft. Deshalb erhöhen die Stromkonzerne jetzt nochmals kräftig die Preise, um Tatsachen zu schaffen, ehe der Regulierer da ist", sagte Marnette.

    Der Vorstandschef des Windanlagenbauers RePower, Fritz Vahrenholt, sagte am Montag im Deutschlandfunk: "Es hat eine Zeit des heftigen Wettbewerbs gegeben und dann hat man festgestellt, dass das zu Lasten der Gewinne geht." Die vier großen Energieversorger bildeten ein informelles Kartell. "Man macht keinen Wettbewerb, man schlägt kein Wettbewerbsunternehmen mehr zu Lasten auch des eigenen Bestandes, das respektiert man, die fr¨¹heren Monopolgrenzen respektiert man mehr oder weniger."

    Der Energieversorger E.ON will, wie im SPIEGEL angek¨¹ndigt, seine Strompreise zum Jahreswechsel anheben. Der Vorstandschef der Tochter Eon Energie, Johannes Teyssen, begr¨¹ndete die geplante Anhebung am Montag in M¨¹nchen vor allem mit den gestiegenen Kosten f¨¹r Kohle und andere Energieträger. E.ON werde diese an die Kunden weitergeben, aber darauf achten, die Abnehmer nicht ¨¹bermäßig zu belasten. Die genaue Höhe der Anhebung ließ Teyssen offen. Nach Angaben eines Sprechers ist dar¨¹ber noch keine Entscheidung gefallen. E.ON m¨¹sste in diesem Monat eine Preissteigerung bei den Aufsichtsbehörden anmelden, um die Erhöhung zum Jahreswechsel umzusetzen.


    http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,316879,00.html